Weite gewinnen – Begegnungen, die den Blick verändern
Nach zehn Stunden Fahrt erreichte unsere Delegation den Zürichsee. Der nächtliche Blick über das Wasser war beeindruckend. Schnell wollte ich das Panorama fotografieren – doch auf dem Bild spiegelte sich vor allem die Innenwelt des Autos. Die Sehnsucht nach freier Sicht blieb. „OPEN Horizon“ wurde für mich zum Leitmotiv der Studienreise: Wo prägen unausgesprochene Haltungen unseren Blick auf Gemeinde? Wo spiegeln wir uns selbst statt Christus?
Unsere Reise führte zu Begegnungen mit Leitern aus Gemeinden und Werken, die trotz aller Unterschiede denselben Herzschlag teilen: Evangelisation und Jüngerschaft, Lernbereitschaft, Klarheit im Auftrag und das Evangelium im Zentrum. Besonders prägend waren die Impulse von René Christen zu Gemeindewachstum und von Dr. Lukas Weber zur Jüngerschaft in der Prismakirche Rapperswil. Mein Methodenkoffer wurde um zahlreiche Werkzeuge erweitert, die sich direkt in die Praxis übertragen lassen.
Tiefer gehen – Leitung, Reflexion und gelebter Glaube
Ein Höhepunkt war die Zeit mit Thomas Härry in Aarau. Statt eines klassischen Vortrags lud er zur Entschleunigung ein: Gespräche, Gebet, Stille und Gedanken über Leiterschaft und Selbstfürsorge. Seine Frage „Kämpfst du mit deinem schärfsten Schwert?“ wirkt bis heute nach.
Auch die Besuche in der FeG Buchs und der GvC Winterthur hinterließen Spuren. Wie gelingen Leitungswechsel? Was fördert eine gesunde Teamkultur? Und wie können Gemeinden Veränderungen gestalten? Dabei wurde deutlich, wie wertvoll Erkenntnisse aus Organisationsentwicklung und Pädagogik für den pastoralen Dienst sein können.
Beeindruckend war zudem der Besuch bei UpGreat, einer christlich geführten IT-Firma, in der Mitarbeiterfürsorge, Gebet und Jüngerschaft selbstverständlich zum Arbeitsalltag gehören. Überall wurden wir mit großer Gastfreundschaft empfangen. Wertschätzung, Gebet und persönlicher Segen prägten jede Begegnung.
Gemeinsamer Weg – gestärkt zurückkehren
Den Sonntag verbrachten wir in der Viva-Kirche Frauenfeld. Lobpreis in Schweizer Mundart und eine Predigt über angstfreies Leben ermutigten uns. Gespräche mit Paul und Peter Bruderer vom Blog Danieloption erinnerten daran, dass Gottes Menschenfreundlichkeit im Evangelium sichtbar werden muss. Fehlt diese Dimension, bleiben Antworten auf zentrale Lebensfragen schnell moralisch und kraftlos.
Auf dem Niederhorn erlebten wir Weite, Ruhe und die Schönheit der Berge. Der Blick über Täler und Seen ließ etwas von Gottes Größe erahnen. Auch der kurze Aufenthalt auf dem Bürgenstock wurde für mich zu einem Bild: Einheit und Verbundenheit setzen Kräfte frei, um den Herausforderungen unserer Zeit zu begegnen.
Der letzte Abend führte uns zu Christian Haslebacher, dem Präses der Viva-Kirche Schweiz. Auf der Heimreise machten wir Halt im Gebetshaus Freiburg bei Rainer Harter. Seine Erinnerung an die Bedeutung der Gegenwart Gottes machte deutlich: Nachhaltiger Dienst und Gemeindebau gelingen nur in enger Verbindung mit Jesus.
Vierzehn Frauen und Männer aus unterschiedlichen Gemeinden Norddeutschlands waren gemeinsam unterwegs. Wir sind nicht nur zusammen gereist, sondern zusammengewachsen.
Ich bin müde, doch meine Seele tanzt. Der Geist atmet Weite, ist wach und hat Heimweh nach Gottes Reich – und nach neuer Liebe zu seinem Auftrag.
Simone Demsky | Pastorin FeG Hohenlockstedt
Fotos: Michael Murzin | Pastor und Referent für Leiterentwicklung in der FeGN
Die Stiftung Freie evangelische Gemeinde in Norddeutschland (FeGN) umfasst über 40 Gemeinden in vier Bundesländern. Sie ist Teil des Bundes Freier evangelischer Gemeinden in Deutschland KdöR sowie Mitglied in den Diakonielandesverbänden Hamburg und Schleswig-Holstein.
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