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Einfach ignoriert – wenn Menschen plötzlich gehen

28. Mai 2026

Wenn Nähe plötzlich abbricht

„Hallo, Jenny!“, ruft Julia über den halben Penny-Parkplatz. Julia und ich sind beide auf dem Weg nach Hause. Jenny schaut uns aus der Entfernung an – dann dreht sie sich weg und geht.
„Was ist mit ihr?“, fragt mich Julia. Ich merke, wie verletzt sie ist. „Bis vor Kurzem war Jenny gefühlt jeden Tag im Haltepunkt. Und auf einmal will sie nichts mehr mit uns zu tun haben.“
Ich erzähle Julia, dass so etwas immer wieder passiert. Menschen kommen zu Haltepunkt E und sind eine Zeit lang intensiv dabei. Dann verschwinden sie plötzlich. Einige kommen nie wieder, andere tauchen irgendwann wieder auf – als wäre nichts gewesen.

Zwischen Enttäuschung und Verständnis

Manchmal wissen wir, warum Menschen auf einmal weg sind: wenn es Konflikte gibt, wenn die privaten Probleme zu groß werden oder wenn ihnen „dieser ganze Jesus-Kram“ zu viel wird. Aber oft sind die Situationen so komplex, dass wir sie kaum verstehen.
„Man kann ja zumindest Hallo sagen“, meint Julia etwas abwertend. Ich stimme ihr zu. Gleichzeitig erkläre ich ihr, dass Kirche immer freiwillig ist. Wenn sich Menschen von uns abwenden, müssen wir das aushalten – auch wenn es weh tut. Und wenn sie zurückkommen, freuen wir uns und heißen sie herzlich willkommen.
Julia findet das schwierig. Nachdem ich mich von ihr verabschiedet habe, denke ich weiter darüber nach: Man investiert sich in Menschen, und dann gehen sie einfach. Das ist frustrierend.

Eine Hoffnung, die bleibt

Wie muss das erst für Jesus sein? Er gibt alles – und wir zeigen ihm immer wieder die kalte Schulter.
„Jenny hat keine Ahnung“, denke ich. Wie auch? Sie erlebt ja nicht, was ich erlebe. Aber so, wie Jesus mir nachgeht, geht er auch ihr nach – immer wieder.
Egal, wie weit sie wegläuft: Er bleibt dran.
Und genau das macht Hoffnung.

Philipp Smolders | Missionar bei Haltepunkt E in Rostock-Evershagen

Fotos: Philipp Smolders

Die Stiftung Freie evangelische Gemeinde in Norddeutschland (FeGN) umfasst über 40 Gemeinden in vier Bundesländern. Sie ist Teil des Bundes Freier evangelischer Gemeinden in Deutschland KdöR sowie Mitglied in den Diakonielandesverbänden Hamburg und Schleswig-Holstein.

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